KAREN KLING

Fotografie und Wachs
 

Wachs als künstlerisches Material

Die Verwendung von Wachs in der Kunst hat eine deutlich längere Tradition als die von Ölfarben. Die Ägypter benutzten im dritten Jahrtausend v. Chr. Bienenwachs für die Mumifizierung der Toten und als Überzug für ihre Wandmalereien. Wachs hatte neben konservatorischen Effekten auch ästhetische, weil es – dünn aufgetragen – die Farben leuchten lässt, über Tausende von Jahren. Die Blütezeit des künstlerischen Schaffens mit Wachs lag mit der Enkaustik in der griechisch-römischen Antike. Nachdem diese Technik lange vergessen war, entdeckten im 18. und 19. Jahrhundert einige wenige Maler die Enkaustik mit erhitztem, pigmentiertem Wachs neu. Aber erst elektrische Heizgeräte vereinfachten das Arbeiten mit Wachs. Das nutzte z.B. Jasper Johns für seine Serie „American Flags“ aus den 1950er Jahren.
 



 

Wachs und Fotografie

Wachs ist empfindlich, es zieht Staub an und schmilzt, wenn es zu heiß wird. Eigentlich sollte ein Künstler um solche Eigenschaften einen Bogen machen. Und doch verführt Wachs durch seine sensitiven Reize. Es verhält sich unberechenbar: Manchmal entstehen beim Auftragen Lufteinschlüsse, oder es überziehen Schlieren und Wellen die Oberfläche, manchmal ist es fast durchsichtig, dann wieder eher opak.
Die Fotos mit Wachs zu überarbeiten, erinnert manchmal an das Entwickeln in der Dunkelkammer, man verliert in gewissem Maße die Kontrolle über das Entstehende. Beim Erkalten des Wachses wird es zunächst undurchsichtig, das Foto verschwindet fast vollständig. Wenig später klart das Wachs auf, aber nur teilweise: Das Dahinter erscheint in neuem Licht.